“Hör auf zu unken, Friederike. Musst du immer den Teufel an die Wand malen.“
“Aber Mama, ich …“
2. Beerdigung
Schweigend laufe ich mit meinen Eltern, meiner kleinen Schwester und meinem zwei Jahre älteren Bruder den schwarzen Männern, die den Sarg tragen, hinterher. Vor einem großen Loch bleiben wir stehen.
3. Poliklinik
„Es ist unerlässlich, dass wir die Geschwister auf Leukämie untersuchen, Frau Gerlach“, sagt der Arzt zu meiner Mama.
4. Erste Regel
Ich klopfe an die Badezimmertür.
“Mama ich kann nicht mehr, ich muss ganz dringend!”
5. Ostersonntag
Es ist immer noch dunkel und Kathrin schläft, als ob heute nichts Besonderes wäre.
6. Das erste Mal
Ich werde wach, springe aus dem Bett und schaffe es gerade noch ins Bad, bevor ich mich übergebe. Mir dreht sich alles; ich halte mich an der Kloschüssel fest. Bestimmt habe ich zu viel Süßes gegessen und dann noch die Brause. Mein Gesicht ist heiß. Ich kühle es mit Wasser, spüle meinen Mund aus und wasche mir die Hände.
Im Wohnzimmer brennt noch Licht. Der Fernseher ist an.
7. Ostermontag
Wir sitzen ausnahmsweise gemeinsam am Frühstückstisch. Mit beiden Händen halte ich die Tasse mit der warmen Milch. Ich habe keinen Hunger.
„Reichst du mir bitte die Margarine, Friederike. Hallo Friederike? Hallo! Hörst du mich? Was ist bloß mit dem Kind los? Friederike“, ruft Mama und haut mit der flachen Hand auf den Tisch.
8. Ende der Osterferien
Es ist wieder richtig kalt geworden. Der Wind pfeift durch unsere Straße und ich ziehe meinen Schal fester. Die Osterferien sind vorbei, und heute werde ich Doris wieder sehen. Meine liebste beste Freundin. Ich freue mich schon ganz doll. Denn jetzt habe ich endlich jemanden, dem ich alles erzählen kann.
9. Abend nach Osterferien
Hat die Tür gequietscht? Sind da Schritte auf dem Flur? Ich drücke meine Puppe fest an mich.
10. Scham und Angst
Am Anfang habe ich gehofft, dass er nicht mehr so streng zu mir ist. Aber genau das Gegenteil ist eingetreten. Wegen jeder Kleinigkeit, ja manchmal sogar ohne erkennbaren Grund, verprügelt er mich.

