Schweigend laufe ich mit meinen Eltern, meiner kleinen Schwester und meinem zwei Jahre älteren Bruder den schwarzen Männern, die den Sarg tragen, hinterher. Vor einem großen Loch bleiben wir stehen.
Zwei lange Bretter liegen quer darauf und zwei dicke Stricke baumeln auf jeder Seite über den Sandhügeln. Die Männer stellen den Sarg auf die Bretter und gehen zur Seite. Ein Mann mit einem Buch in der Hand stellt sich vor das Grab und erzählt etwas. Was er sagt, kann ich nicht verstehen. Mir ist schwindelig und in meinen Ohren summt es.
Ich schaue zu meinen Eltern hinüber. Mama sieht in ihrem schwarzen Pelzmantel wie eine feine Dame aus. Papa trägt auch einen schwarzen Mantel. Er hat seinen Hut abgenommen, beide haben die Köpfe gesenkt. Meine Geschwister stehen einfach nur da. Kathrin spielt mit ihren Haaren. Uwe blickt in die Luft. Es fängt an zu schneien.
In der Schule feiern sie heute Faschingsanfang. Da gibt es immer Pfannkuchen. Sicher ist wieder einer dabei, der mit Senf gefüllt ist. Wer den wohl erwischt?
Gero wird nie wieder Fasching feiern können. Die werden ihn hier verbuddeln. Da ist er ganz allein.
Eigentlich hätte ich mal vor ihm sterben sollen, denn ich bin drei Jahre älter als er. Ich kenne kein Kind, das schon mit sieben Jahren gestorben ist.
Was hat der Mann jetzt gesagt? Warum sieht er mich an? Jetzt schaut er zu den Männern in den schwarzen Anzügen. Er nickt ihnen zu und sie ziehen die Bretter weg. An den langen Stricken schwebt der Sarg nach unten.
Ich will schreien: ‘Was macht ihr da? Das könnt ihr nicht machen! Es ist doch so dunkel da unten!’ Mein Herz klopft. Mir ist so kalt.
Ich will zu meiner Mama, aber zwischen meinen Eltern steht meine Schwester. Uwe schiebt seine Hand unter meine und drückt sie ganz doll.
Der Wind wirbelt die Schneeflocken durch die Luft.
Es ist so kalt und die Tränen brennen auf meinen Wangen.

