Ich werde wach, springe aus dem Bett und schaffe es gerade noch ins Bad, bevor ich mich übergebe. Mir dreht sich alles; ich halte mich an der Kloschüssel fest. Bestimmt habe ich zu viel Süßes gegessen und dann noch die Brause. Mein Gesicht ist heiß. Ich kühle es mit Wasser, spüle meinen Mund aus und wasche mir die Hände.
Im Wohnzimmer brennt noch Licht. Der Fernseher ist an.
Papa sitzt breitbeinig auf dem Sofa und hält eine Flasche Bier in der Hand. Auf dem Tisch vor ihm stehen eine große Flasche Schnaps, ein halbgefülltes Glas und ein Aschenbecher. Er stiert mich an. „Was ist los mit dir?“
„Mir ist so schlecht Papa“, schluchzte ich.
„Na, so schlimm wird es schon nicht sein. Komm her.” Er zeigt auf den Platz neben sich. “Los komm her, setz dich.“
„Ich war schon im Badezimmer”, sage ich, setze mich neben meinen Papa und schmiege mich an ihn. “Mir geht es immer noch nicht gut.“
“Das haben wir gleich”, sagt er, nimmt das Glas vom Tisch, füllt es mit dem braunen Schnaps.
„Hier, trink mal’n ordentlichen Schluck. So ein Weinbrand ist wie Medizin. Danach geht’s dir gleich besser.“ Er reicht mir das Glas.
Ich rieche daran und schüttle den Kopf.
“Ich will das nicht trinken. Das stinkt!”
„Du sollst nicht riechen. Trinken! Alles auf einmal, sonst hilft es nicht.“
Ich trinke, verschlucke mich und muss husten. Tränen schießen mir in die Augen und in meiner Kehle brennt es wie Feuer.
„Na, komm schon her“, sagt er. „Du wirst sehen, gleich ist alles gut.“
Er klopft mir auf den Rücken, dann trinkt er einen großen Schluck aus der Bierflasche, gießt noch einmal Schnaps ein und hält mir das Glas hin. „Auf einem Bein kann man nicht stehen.“
„Nein, Papa, ich will nicht. Das Zeug brennt im Hals.“
„Du sollst trinken!“
Ich presse den Mund zusammen und drehe den Kopf weg. Er drückt das Glas an meinen Lippen.
„Los, Mund auf! Trinken!“, herrscht er mich an.
Vor Schreck öffne ich den Mund, trinke und schüttle mich vor Ekel. Der Schnaps brennt vom Hals bis in den Bauch.
„Braves Mädchen“, sagt er und tätschelt meinen Arm, die Schulter, den Hals. Er streichelt meinen Rücken und zieht mich näher an sich ran.
In meinem Magen spüre ich eine angenehme Wärme, die sich langsam ausbreitet. Ich fühle mich wohl und kuschle mich vertrauensvoll an meinen Papa. Er streichelt mich weiter und mir ist nicht mehr übel, mir ist warm, so schön warm. Mir geht es gut. Kathrin schläft, sie kann sich nicht zwischen uns drängen. Jetzt habe ich meinen Papa ganz für mich allein. Ich schmiege mich dichter an ihn. Er nimmt mich auf seinen Schoß.
Ein Träger meines Nachthemdes rutscht mir von der Schulter. Schnell will ich ihn wieder hochziehen, aber Papa hält meine Hand fest, dann berührt er meine Brust. Doch ich will das nicht. Ich will nicht, dass er mich so anfasst. Ich versuche mich loszureißen.
“Was soll das?”, lacht er. “Ich weiß doch, wie du aussiehst, Riekchen. Ich bin doch dein Papa.”
Er fasst mich an den Schultern und schiebt mich ein Stück von sich weg.
Er blickt auf meine Brust. Sein Atem wird schneller, sein Mund steht halb offen und in seinen Augen ist so ein komisches Funkeln.
„Du bist ja schon eine richtige Frau. Du hast sehr schöne Brüste.“
Ich versuche meine Brust zu bedecken, doch er hält meine Hände fest und zieht mich wieder an sich.
„Was soll das?”, faucht er. “Vor mir brauchst du dich nicht zu schämen. Ich bin doch dein Papa.“
Ich will runter von seinem Schoß.
„Halt still!“, herrscht er mich an. „Ich tu dir nicht weh.“
Ich zucke zusammen, traue mich kaum Luft zu holen. Er hält mich fest, streichelt mich, berührt meine Brust, knetet sie. Ich kann mich nicht bewegen. Immer fester drückt er. Es tut so weh. Ich stöhne.
„Na, siehst du, ich wusste doch, dass es dir gefällt“, sagt er und dann küsst er mich auf den Hals und auf meine Brust.
„Bitte Papa, bitte nicht. Bitte!“
Er nimmt meinen Kopf in beide Hände und versucht mich auf den Mund zu küssen, greift in meine Haare, zieht mir den Kopf zurück. Ich kneife meine Lippen zusammen.
„Mach den Mund auf“, sagt er und schiebt seine Zunge in meinen Mund.
Wie ein Wurm bewegt sie sich zwischen meinen Zähnen. Es ist eklig.
“Wir müssen leise sein”, sagt er. “Deine Geschwister sollen uns ja nicht hören.“
Sein Atem riecht nach Bier und Zigarettenrauch.
Er steht auf, nimmt mich auf den Arm, drückt mich fest an sich, trägt mich ins Schlafzimmer, legt mich auf sein Bett und schließt die Tür ab. Er beginnt sich auszuziehen. Schwaches Licht dringt durch die Gardinen. Riesengroß ist sein Schatten an der Wand. Und dann beugt er sich über mich und zieht mir mein Nachthemd aus.
Warum machst du das, Papa? Ich liege unbeweglich da. Seine Hände berühren meinen Körper. Überall fasst er mich an. Warum macht er jetzt seinen Finger im Mund nass?
“Mach deine Beine breit.”
Er drückt meine Oberschenkel auseinander. Seine Hände berühren mich zwischen den Beinen. Streicheln mich dort.
“Na, das ist schön! Nicht wahr? Das gefällt dir”, schnauft er.
Ich schüttle den Kopf. Ich will das nicht. Und plötzlich liegt er auf mir.
„Bitte Papa, ich krieg keine Luft.“
Und … und während er mir den Mund zuhält, spüre ich einen fürchterlichen Stich in meinem Unterleib. Dann ein Ruck und wahnsinnige Schmerzen in meinem Bauch.
Ich will schreien; ‘Papa hör auf! Du tust mir weh!’ Aber ich bekomme keinen Ton raus. Seine große Hand lässt mich nicht atmen. Und er stößt zu immer und immer wieder stößt er zu.
Ich öffne meine Augen und dicht über mir sehe ich das fremde Gesicht meines Vaters. Seine glasigen Augen starren durch mich hindurch und eine Haarsträhne klebt an seiner Stirn. Sein Schweiß tropft auf mein Gesicht und sein stinkender Atem nimmt mir die Luft. Ich mache die Augen zu. Ich will ihn nicht sehen. Das ist nicht mein Papa. Er ist so schwer. Ich habe das Gefühl erdrückt zu werden.
„Papa, Papa, bitte nicht … bitte … bitte.“
Ich versuche wenigstens mein Gesicht wegzudrehen, um seinen schlechten Atem nicht zu riechen. Plötzlich stöhnt er laut auf und sein ganzer Körper beginnt zu zucken. Dann liegt er still. Nach einer Weile wälzt er sich von mir runter und bleibt keuchend neben mir liegen. Ich kann mich nicht bewegen. Mir tut alles weh. Zwischen meinen Beinen klebt es ekelhaft. Nach einer Ewigkeit steht er auf, trägt mich ins Badezimmer, stellt mich in die Wanne und dreht das Wasser der Dusche an. Ich kann mich nicht bewegen. Stehe mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen ganz steif da. Als ich die Augen öffne sehe ich wie Blut an meinen Beinen runterläuft. Ich starre auf meine Füße die in dem Blutwasser stehen, das erst rot ist, dann rosa wird und dann immer heller, bis nur noch klares Wasser übrig ist.
Nun muss ich sterben, wie mein kleiner Bruder. Ich muss sterben. Es ist nicht schlimm, wenn ich jetzt sterbe.
Er trocknet mich ab, trägt mich zurück in das Schlafzimmer, legt mich aufs Bett, zieht mir mein Nachthemd wieder über.
Jetzt nimmt er mich an die Hand.
“Komm mit ins Wohnzimmer”, sagt er.
“Wir müssen noch reden. Setzt dich auf das Sofa.”
Er gießt Schnaps in das Glas und trinkt es mit einem Schluck aus.
„Friederike”, sagt er. “Was heute Nacht passiert ist, das ist etwas Besonderes. Es ist unser Geheimnis. Du darfst es keinem Menschen verraten. Die Leute verstehen das nicht. Keiner gönnt uns, dass wir uns liebhaben. Das begreifst du doch, oder?”
Ich kapiere nicht, was er sagt. Was soll ich begreifen?
Er redet weiter: “Ich liebe dich, Riekchen und wir haben doch nur uns beide. Wenn du jemandem etwas erzählst, machst du alles kaputt, auch unsere Familie.”
Wieso mache ich alles kaputt, ich hab’ doch gar nichts gemacht.
“Verstehst du was ich sage?”
Ich verstehe nichts, sehe ihn nur an.
Er schüttelt mich: “Hörst du mir überhaupt zu?“
Ich nickte.
“Na gut. Und davon ganz abgesehen, wenn du etwas sagst, dann wird dir sowieso keiner glauben. Aber, wenn doch, werden sie uns alle trennen. Dich und deine Geschwister werden sie in ein Heim stecken. Aber, ich schwöre dir, bevor das geschieht, schlage ich dich tot. Ich weiß, dass du keinem etwas sagst. Du bist doch mein großes Mädchen. Versprich mir jetzt, dass du mit keinem Menschen darüber redest. Versprichst du es?“
Ich nicke.
Er greift zur Bierflasche. “Geh jetzt ins Bett und sei leise, damit deine Schwester nicht wach wird.”
Ich stehe auf und verlasse den Raum. Vorsichtig öffne ich die Tür zum Kinderzimmer, schleiche zu meinem Bett, krauche rein und greife nach meiner Puppe. Ich liege ganz still und starre an die Decke. Mein Kopf ist leer. Katie schnarcht leise. Als sie sich bewegt, blicke ich zu ihr. Aber sie wird nicht wach. Am liebsten würde ich jetzt schreien: ‘Wach auf! Hilf mir! Er hat mir weh getan!’
Aber mein Hals ist wie zugeschnürt. Ich kann nur weinen. Ganz leise weinen. Ich drehe mich auf die Seite, drücke meine Puppe fest an mich und flüstere ihr zu. Mir tut alles weh. Da unten tut alles weh. Er hat mir weh getan. Warum hat er das gemacht? Mir weh getan.
Ich kann nicht einschlafen. Meine Augen haben sich langsam an das Dunkel gewöhnt. Ich erkenne die Konturen des Zimmers. Vor dem leicht geöffneten Fenster bewegt sich die Gardine, und das Licht der Hoflaterne zeichnet ein bizarres Schattenspiel. Ich rolle mich zusammen und klammere mich an meine Puppe.

