1. Erster Schultag

“Hör auf zu unken, Friederike. Musst du immer den Teufel an die Wand malen.“
“Aber Mama, ich …“

“Sieh zu, dass du in die Schule kommst.“
Sie versucht mich aus der Tür zu schieben. Das ist nicht einfach, weil die Pfleger mit der Trage vor dem Kinderzimmer stehen.
Ich berühre ihren Arm: “Mama! Wenn die Männer Gero mitnehmen, dann kommt er nie mehr zurück.“
“Halt endlich deinen Mund und verschwinde!“ Die Stimme meiner Mutter überschlägt sich.
Ich sehe meinem kleinen Bruder an. Der liegt in seinem Bett und bewegt sich nicht. Sein Gesicht ist ganz weiß. Er macht die Augen auf. Sie sind viel größer als sonst und schwarz. Gero versucht zu lächeln. Jetzt sind die Männer an seinem Bett. Ich mache einen Schritt auf ihn zu, aber meine Mutter greift meinen Arm, zerrt mich aus dem Zimmer und schiebt mich aus der Wohnung.
Vor dem Haus steht ein Krankenwagen und daneben machen meine Klassenkameraden lange Hälse.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert