3. Poliklinik

„Es ist unerlässlich, dass wir die Geschwister auf Leukämie untersuchen, Frau Gerlach“, sagt der Arzt zu meiner Mama.

„Wir glauben zwar nicht, dass noch eines ihrer Kinder diese tückische Krankheit hat. Aber wir müssen auf Nummer sicher gehen!“
Eine Arzthelferin nimmt drei große Spritzen aus einem Schrank, legt sie auf ein weißes Tuch. Gebannt schauen wir zu, wie sie auf jede Spritze eine dicke Nadel steckt.
„Du bist der Erste“, sagt sie zu meinem Bruder und streckt ihre Hand nach ihm aus.
Sie bindet ihm einen braunen Schlauch um den Arm, setzt die Spritze an und sticht zu. Uwe brüllt auf, Kathrin fängt an zu schreien. Ich stürze zur Arzthelferin, will ihr die Spritze aus der Hand schlagen.
Mama zerrt mich aus dem Zimmer.
„Du setzt dich jetzt hier hin und bleibst hier sitzen, wehe du kommst wieder rein.“
Dann holt sie meine Schwester raus. Die setzt sich zu mir und während sie sich an mich drückt, hält sie sich die Ohren zu.
Ich halte mir auch die Ohren zu, doch das Schreien höre ich trotzdem. Mein Bruder kommt raus und setzt sich zu mir. Jetzt muss Kathrin rein.
„Hat es dolle weh getan?“, frage ich Uwe.
Er schüttelt den Kopf, während wir Kathrin schreien hören, als würde sie abgestochen. Als sie rauskommt, muss ich rein.
In der Tür bleibe ich stehen. Das Zimmer sieht furchtbar aus. Überall ist Blut; auf dem Boden, auf dem Tisch, auf dem Stuhl und das weiße Tuch auf dem die Spritzen liegen, ist voller roter Flecken.

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