16. Teddy

“Na. da biste ja endlich!“ Meine Schwester hüpft wie verrückt vor mir herum, die Hände auf dem Rücken.

Sie rennt um den Tisch: “Ich habe einen Deti!“

“Was hast du?“, rufe ich und renne ihr hinterher.

“Na einen Deti! Von deinem Hajo!“, ruft sie triumphierend. “Ich schicke dir einen kleinen süßen weißen Deti, hat er geschrieben. Das ist vielleicht ein Idiot. Der weiß ja nicht mal, wie man Teddy schreibt.“

Sie reißt ihre Hände in die Höhe und schleudert einen kleinen weißen Bären mit einer roten Schleife, an einem Bein über ihrem Kopf.

Ich bleibe wie gelähmt stehen. Freude und Wut wechseln sich in mir ab. Freude darüber, dass er sein Versprechen eingehalten hat und Wut, dass diese blöde Kuh einfach mein Paket aufgerissen hat.

“Warum hast du das Paket aufgemacht? Du bist so gemein! Das war mein Paket. Du hattest kein Recht, es aufzumachen.“ 

Ich stürze auf sie zu, will ihr den Teddy aus der Hand reißen.

Sie rennt weiter um den Tisch und schreit immer wieder: “Deti! Deti. Süßer kleiner Deti. Deti!“

“Du spinnst wohl. Gib ihn mir!”, schreie ich sie an.

“Deti! Deti!”, lacht sie laut.

Die Kinderzimmertür geht auf und mein Vater brüllt: “Was ist hier los?“

“Frieda hat ein Paket von ihrem Liebsten gekriegt. Der hat ihr einen Teddy geschickt.“ Sie hält ihm den Teddy entgegen.

Der nimmt ihn, schaut mich an: “Wer hat dir den geschickt?“

Meine Schwester läuft zum Tisch, greift nach einem Stück Papier: “Hier ist auch noch ein Brief.“

Ich will ihr den aus der Hand reißen, aber mein Vater ist schneller. Er schubst mich beiseite.

“Jetzt ist Ruhe hier!  Und du…. Mach dich fertig!“, sagt er zu meiner Schwester. “Du musst zum Chor.“

Ohne mich noch eines weiteren Blickes zu würdigen, geht er aus dem Zimmer – mit dem Brief und dem Teddy.

Mit steifen Beinen stakse ich zum Fenster, lehne meinen Kopf an die kalte Scheibe. Mir ist klar, dass ich den Teddy niemals behalten darf. Wieso hat meine blöde Schwester mich bloß verraten? Ich fange an zu weinen, wische mir aber schnell die Tränen ab, als ich höre, wie die Wohnungstür ins Schloss fällt. Für eine kurze Weile ist es bedrohlich still, dann öffnet sich die Tür, mein Vater kommt ins Kinderzimmer und stellt sich vor mich. Die Finger seiner rechten Hand umschließen, wie ein Schraubstock, die weißen Beine des Teddys. Er schlägt den kleinen Kopf immer und immer wieder in seine linke Handfläche, während er mich fixiert. Bei jedem Schlag blitzt die blutrote Schleife auf. Ich will ihm den Teddy aus der Hand reißen, aber ich wage es nicht mich zu rühren.

“Wer hat dir das Vieh geschickt?“

Ich kann nicht antworten.

“Ich habe dich etwas gefragt?“ 

“Ich habe…“

“Was hast du?“, drohend kalt seine Stimme.

“Ich habe einen Jungen im GST-Lager kennen gelernt. Er ist aus Thüringen und er hat mir damals versprochen, mir einen Teddy zu schicken.“

“Hat er dich angefasst?“

Ich schüttle den Kopf.

“Hast du dich mit ihm geküsst?“

Stumm blicke ich auf den Boden, da liegt ein Stück Papier vom Paket. Ich versuche zu lesen, was darauf steht.

“Zieh dich aus!“

Ich starre meinen Vater ungläubig an: “Aber ich…“

“Zieh dich aus!“

Der Unterton in seiner Stimme macht mir klar, dass es besser ist, wenn ich tue, was er verlangt.

“Schneller, wenn ich bitten darf.“

Jedes Wort wird von einem Schlag mit dem Teddy auf seine Hand begleitet.

„Die Schlüpfer auch.“

Ich stehe splitterfasernackt vor ihm. Er tritt einen Schritt zurück, mustert mich von oben bis unten. Ich sehe ihn nicht an, starre nur auf den Teddy. Ich schäme mich so. Am liebsten würde ich in der Erde versinken.

Plötzlich geht alles ganz schnell.

“Du Hure“, brüllte er, stürzt auf mich zu und haut mir den Teddy um die Ohren. 

Die rote Schleife fällt auf den Boden.

“Wie oft habe ich dir gesagt, dass du dich von Jungs fernhalten sollst.“

Er fasst die Beine des Teddys und reißt sie auseinander. Das Geräusch geht wie ein Messerstich in meinen Bauch. Er schmeißt den Teddy in die Ecke. Dann löst er langsam seinen Gürtel. Ich weiß, was jetzt kommt, aber es interessiert mich nicht. Er zieht den Gürtel aus der Hose, faltet ihn sorgfältig in der Mitte zusammen. Die Gürtelschnalle zeigt nach außen.

Er hebt den Arm: “Ich werde dir schon die Flötentöne beibringen, du kleine Nutte.“ Der erste Schlag trifft mich so heftig, dass ich zu Boden stürze.

“Steh auf“, brüllt er mich an und stößt mir seinen Fuß in die Seite. 

Ich stehe auf. Bei jedem Schlag mit der Gürtelschnalle zucke ich zusammen. Ich halte die Hände vors Gesicht, aber er schlägt mir auf den Rücken und auf die Beine. Stoisch ertrage ich die Schläge, bis er inne hält. 

“Dreh dich um“, sagt er. “Setzt dich auf dein Bett.“

Ich tue, was er sagt. Er stellt sich vor mich hin, öffnet seine Hose, greift mir in die Haare, drückt meinen Kopf nach vorn und schiebt sein Ding in meinen Mund. Ich glaube, dass ich mich gleich übergeben muss. Und dann bewegt er sich hin und her. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit zieht er es raus, reißt mich hoch, schmeißt mich bäuchlings aufs Bett und dringt von hinten in mich ein. Ich stöhne, weil es so weh tut.

“Ich wusste doch, dass es dir gefällt“, schnauft er. “Los mach mit. Lass dich nicht von mir bedienen.“ Er keucht: “Beweg dich, du Hure, ich ficke dir jetzt jeden Gedanken an andere Männer aus dem Kopf. Wage es nicht noch einmal, einen anzusehen. Du gehörst mir. Ist das klar? Ist das klar?!“

Ich mache die Augen zu und balle meine Hände. Das passiert nicht dir Frieda. Das bist nicht du, das ist nur dein Körper. Hab keine Angst. Dir kann er nichts tun.  

Endlich ist er fertig. Er setzt sich auf mein Bett, zieht mich auf seinen Schoß und streichelt mich. Mein Körper verkrampft. 

“Du bist doch mein Mädchen. Du verstehst doch, dass keiner zwischen uns stehen darf. Es ist unsere Liebe, unser Geheimnis.“

Bewegungslos starre ich auf die rote Schleife zu meinen Füßen.

Er greift mir wieder in die Haare, dreht meinen Kopf so, dass er mir ins Gesicht blicken kann. 

“Sieh mich mal an und jetzt sagst du mir, dass du mich liebst. Los sag es. Du liebst mich doch, oder?“

Ich nicke.

“Gut so.“ 

Er schiebt mich runter und zieht sich die Hosen hoch. 

“Geh dich jetzt waschen und dann zieh dich an“, sagt er.

Ich blicke noch einmal zu dem kleinen weißen Teddy, der wie tot in der Ecke liegt. 

„Liebe Frieda, ich schicke dir einen kleinen weißen süßen Deti“, hat Hajo geschrieben. Und ich konnte nicht einmal seinen Brief lesen.

Das Wasser ist so heiß wie meine Tränen und es läuft über meinen Körper und ich dusche und dusche und der Dreck geht nicht ab. 

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