7. Ostermontag

Wir sitzen ausnahmsweise gemeinsam am Frühstückstisch. Mit beiden Händen halte ich die Tasse mit der warmen Milch. Ich habe keinen Hunger.
„Reichst du mir bitte die Margarine, Friederike. Hallo Friederike? Hallo! Hörst du mich? Was ist bloß mit dem Kind los? Friederike“, ruft Mama und haut mit der flachen Hand auf den Tisch.

Ich schrecke hoch, sehe sie an und verstehe nicht was sie will.
„Die Margarine, Friederike, reich mir die Margarine.“
Ich stelle die Tasse ab und gebe ihr die Margarine.
Uwe fragt: „Darf ich aufstehen und in mein Zimmer gehen?“
„Ich will auch!“, ruft Kathrin.
„Von mir aus. Ihr könnt gehen“, sagt Mama und als ich auch aufstehen will, hält sie mich zurück.
„Du bleibst hier. Ich will erst wissen, was mit dir los ist.“ Sie nimmt das Messer und schmiert Margarine auf die Brotscheibe. “Also, was ist los mit dir, hm?”
Als ich nicht antworte, wendet sie sich an Papa. “Reich mir doch mal die Marmelade, Hans.”
Mama bemerkt nicht, dass ich sie ansehe. Sie redet weiter mit meinem Vater: „Ach, was ich vergessen habe dir zu sagen. Ich muss heute länger arbeiten, die Gerda ist krank geworden und das am Ostermontag. Deshalb muss ich Doppelschicht machen.“
„Du musst heute wieder länger arbeiten?“, frage ich leise.
„Ja, bis nachts um zwölf. Da kann ich nichts machen.“
Mir schießen die Tränen in die Augen.
„Was ist bloß los mit dir Friederike?“ Mamas Stimme hat sich verändert. Sie sieht mich ernst an.
„Bitte, geh nicht arbeiten!”, flehe ich sie an. Meine Tränen kann ich kaum noch zurückhalten.
„Ich, ich … Heute Nacht…“, stottere ich.
Aber Papa fällt mir ins Wort: „Ich glaube, sie hat heute Nacht schlecht geschlafen. Sie musste sich gestern Abend ein paarmal übergeben. Es lag sicher an den Süßigkeiten und der Brause. Ich glaube, es ist besser wenn du ins Bett gehst Friederike.“
Ich will etwas sagen, doch meine Mama sieht auf ihre Uhr und springt auf.
„Ich muss los!“, ruft sie. „Sonst komme ich zu spät.“
Papa sieht mich streng an und macht eine Bewegung mit dem Kopf in Richtung Kinderzimmer. Ich stehe auf und gehe.

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